Retriever Ausgabe 85 Dezember 2015 - page 34-35

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Dezember 2015
34 Dezember 2015
VGP in Steinberg/Dörfl
Jagd
Jagd
Das Wochenende um den Staatsfeiertag
stand für den ÖRC ganz unter dem Zei-
chen der jagdlichen Prüfungen für Retrie-
ver.
Bei traumhaft herbstlichen Bedingun-
gen für Hund und Führer versammelten sich
an diesem Wochenende insgesamt 41 Ge-
spanne, um sich den Herausforderungen der
VGP, BLP und der jagdlichen Brauchbarkeits-
prüfung zu stellen.
Unter der Prüfungsleitung von MF. Ofö.Ing.
Alexander Prenner und dem Jagdreferenten
des ÖRC, Georg Ranftl, startete das Prüfungs-
wochenende in Steinberg/Dörfl (Bezirk Ober-
pullendorf/Bgld.) am 24.10.2015 mit der
„Jagdlichen Brauchbarkeitsprüfung für Ret-
riever“ im Suchenlokal, der Schießstätte
Steinberg/Dörfl.
Das Revier
wurde von Seiten großzügiger
und verständnisvoller Jagdpächter der
Esterhazy’schen Forstverwaltung in Locken-
haus zur Verfügung gestellt und erfüllte alle
Anforderungen an das anspruchsvolle Prü-
fungsprozedere.
Bei der
Brauchbarkeitsprüfung
traten 12
Gespanne an, wobei vier davon diese selekti-
ve Prüfung bestehen konnten.
Die
Bringleistungsprüfung (BLP)
wurde am
26.10 parallel zur Schweißarbeit der VGP ab-
gehalten. Bei der BLP haben nur drei der 16
angetretenen Gespanne einen erfolgreichen
Abschluss geschafft.
Am Tag nach der jagdlichen Brauchbarkeits-
prüfung sollte nun die
Vollgebrauchsprü-
fung (VGP), sozusagen die „Meisterprü-
fung“ unter den jagdlichen Prüfungen
, ab-
gehalten werden. Dieser vorbereitungsinten-
siven Herausforderung stellten sich 13 Ge-
spanne aus allen Ecken Österreichs.
Die morgendliche Begrüßung war knapp
aber herzlich, denn den Hundeführern war
die Anspannung ins Gesicht geschrieben
und die Hunde steckten voller Tatendrang.
Dieser Tatendrang wurde durch die zackige
Organisation und die große Anzahl von be-
teiligten Richtern nicht unnötig zurückgehal-
ten und so konnte rasch mit der Arbeit be-
gonnen werden.
Beim Standtreiben
, welches gleich hinter
der Schießstätte durchgeführt wurde, gab es
keine mir auffallenden negativen Verhaltens-
weisen der Hunde. Dies trotz der, wahr-
scheinlich bei allen Führern vorherrschen-
den, großen Nervosität, die sich ohne Zweifel
auch auf die Hunde überträgt.
Zaungäste, die Erfahrung mit anderen
Jagdhunderassen haben, konnten ihr Er-
staunen über die Disziplin unserer Retrie-
ver nicht verbergen.
Durch die Einteilung in verschiedene Grup-
pen startete ich dann mit der
Feldarbeit:
Einweisen auf Federwild, Marking und Fe-
derwildschleppe
bargen keine Überra-
schungen für meinen dreijährigen Labrador-
rüden Timber und mich, wenngleich hier die
ersten Ausfälle von anderen Gespannen zu
verzeichnen waren. Die gute Vorbereitung,
aber auch das Ausbleiben unglücklicher Zu-
fälle, brachten meinen Hund und mich sicher
durch das Feld und den Wald. Die Richter ga-
ben nach jeder Übung ein ausführliches
Feedback, welches auf der einen Seite die
Punktevergabe erklärt und auf der anderen
Seite natürlich sehr wichtig ist, um eventuel-
le Fehler künftig zu korrigieren.
Am Nachmittag trafen wir dann in deutlich
verringerter Anzahl zum Teilbereich der Was-
serprüfung zusammen. Über die Schwierig-
keiten, welche bei den anderen Führern im
Feld oder im Wald aufgetreten sind, konnte
ich leider nicht viel in Erfahrung bringen.
Prüfung kann bestätigt werden, dass un-
sere Hunde über ausreichend Finderwil-
len, Spurwillen undWildschärfe verfügen.
Besäßen Jagdhunde diese Eigenschaften
nicht nachweislich, würde angeschosse-
nesWild nicht schnellstmöglich gefunden,
das Leid der verwundeten Tiere unnötig
verlängert und das entspräche in keiner
Weise einem tierschutzkonformen und
weidgerechten Jagdbetrieb.
Nach Abschluss der Wasserfächer blieben
nun nur mehr sechs Gespanne für die
Schweißarbeit
am Morgen des Staatsfeier-
tages übrig.
Um sieben Uhr morgens starteten wir wiede-
rum bei sehr guten Wetterverhältnissen ins
Revier, um die Übernachtfährte auszuarbei-
ten. Bei der Ankunft imWald begegneten uns
bereits die ersten beiden erfolgreichen Nach-
suchengespanne, welchen die Erleichterung
über die nunmehr bestandene Prüfung von
weitem anzusehen war. Nach der Einweisung
am Anschuss und dem Anzeigen der
Fluchtrichtung durch die Richter, startete
mein Rüde gewohnt ambitioniert. Das im
Prüfungsrevier augenscheinlich ausreichend
vorkommende Schwarzwild stellte Timber,
der genügend Erfahrung mit Schwarzwild
hat, genauso wie mich vor die Herausforde-
rung uns nicht von den vielen
Verleitfähr-
ten
, entlang der Schweißfährte, ablenken zu
lassen. Aber auch das ist ein Punkt mit dem
man in der Praxis immer wieder konfrontiert
Die Wasserfächer wie z.B. „Bringen über
Wasser“ und auch die „Arbeit hinter der
eingesetzten Ente“
konnte Timber ohne
nennenswerte Schwierigkeiten meistern. Da-
durch, dass mein Hund im regelmäßigen
Jagdeinsatz steht und viel Erfahrung mit al-
len Belangen der Wasserarbeit in der Praxis
hat, weiß er einfach was zu tun ist. Hier war
aber erkennbar, dass nicht jeder der angetre-
tenen Prüflinge ausreichend die Möglichkeit
besitzt, sich auf die anspruchsvolle, aber vor
allem aber auch jagdnahe Wasserarbeit vor-
zubereiten.
Gerade das Prüfungsfach „Ar-
beit hinter der eingesetzten Ente“ ist in
letzter Zeit von übersensiblen Tierschüt-
zern stark unter Beschuss geraten, sollte
aber um jeden Preis erhalten bleiben.
Spe-
ziell durch das vorherrschende Verbot zur
Verwendung von Bleischrot bei der Wasser-
wildjagd hat die„Arbeit hinter der eingesetz-
ten Ente“ bei Prüfungen immer mehr Berech-
tigung erlangt. Durch das geringere, spezifi-
sche Gewicht von Weicheisenschrot („Stahl-
schrot“) verlieren diese im Vergleich zu Blei
schneller an Fluggeschwindigkeit und somit
an Energie und Eindringtiefe. Die weidge-
rechte Schussentfernung vermindert sich
ebenso deutlich wie die Tötungswirkung des
Schrotschusses. Berichte aus der Praxis zei-
gen, dass sich bei der Verwendung von Stahl-
schrot (an die wir bei der Jagd an Gewässern
gesetzlich gebunden sind), der Anteil von
Nachsuchen auf krank geschossenes Wasser-
wild deutlich erhöht hat. Diese, also in der
Praxis häufiger werdende Situation, wird
beim Prüfungsfach „Arbeit hinter der einge-
setzten Ente“ simuliert und zeigt, ob der
Hund tatsächlich in der Lage ist, auch im
Jagdbetrieb, krankesWasserwild ausdauernd
zu verfolgen und zu fassen. Für eine Jagd-
hunderasse, deren Hauptaufgabe in der „Ar-
beit nach dem Schuss“ besteht, ist das eine
unabdingbare Eigenschaft und gleichzeitig
auch aktiver Tierschutz.
Nur durch diese
Kornay Hunting Timber meisterte seine Aufgaben im Feld konzentriert und souverän
Gespanne und Richter der VGP
Einweisen auf Federwild
wird. Nach einer sprichwörtlich schweißtrei-
benden Arbeit für alle Beteiligten führte
mich Timber trotzallem bis zum ausgelegten
Stück am Ende der Fährte.
Als Kärntner Madl' war meine Freude und Er-
leichterung über die nunmehr erfolgreich
beendete VGP groß. Trotz aller zeitintensiven
und konsequenten Vorbereitungen kann es
immer zu unerwarteten Ereignissen kom-
men, auch die Tagesverfassung ist eben nicht
ganz unwesentlich im Zusammenspiel zwi-
schen Führer und Hund.
Im Endeffekt haben diese VGP sechs von 13
angetretenen Gespannen erfolgreich be-
standen, wobei von den Leistungsrichtern
und der Prüfungsleitung bei der anschlie-
ßenden Siegerehrung
das hohe Niveau der
Arbeit
hervorgehoben wurde.
Ein besonderer Dank
gilt dem ganzen Or-
ganisationsteam rund um Mf.Ofö.Ing. Alex-
ander Prenner und Georg Ranftl für ihren un-
ermüdlichen Einsatz an diesem Prüfungswo-
chenende. Bedanken möchte ich mich aber
auch bei den Richtern, welche das faire und
vor allem jagdnahe Richten nie aus den
Augen verloren. Die durchschnittlich sehr
guten Leistungen der Gespanne bei dieser
wirklich selektiven und praxisnahen jagdli-
chen Prüfung lassen große Erwartungen in
die Zukunft unserer Jagdhunderassen zu.
Weidmannsheil und Ho Rüd Ho
Verena Sophie Prenter
mit Kornay Hunting Timber
1...,14-15,16-17,18-19,20-21,22-23,24-25,26-27,28-29,30-31,32-33 36-37,38-39,40-41,42-43,44-45,46-47,48-49,50-51,52-53,54-55,...92
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