Retriever Ausgabe 85 Dezember 2015 - page 50-51

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Dezember 2015
Dezember 2015
Gesundheit
Gesundheit
Hereditäre Ichthyose beim Golden
Die hereditäre (erbliche) Ichthyose wurde
2008 erstmals beschrieben und tritt beim
Golden und einigen anderen Rassen auf, wie
z.B. manchen Terrier- und Spanielrassen. Es
handelt sich dabei um eine erblich bedingte
Verhornungsstörung der Haut – mit ande-
ren Worten: Der Hund hat Schuppen. Weil
ihre Form an kleine Fischschuppen erinnert,
spricht man beim Golden auch von Fisch-
schuppenkrankheit (Ichthys = griech. Fisch).
Die Symptome
für eine genetisch bedingte
Erkrankung treten in der Regel bereits mit
wenigen Lebenswochen auf; zeigen sich
erst später Symptome, können auch andere
Ursachen vorliegen, wie z.B. Allergien, Futter-
mittelunverträglichkeiten etc., die tierärzt-
lich abgeklärt werden können bzw. müssen.
Ichthyose äußert sich durch unterschiedlich
stark pigmentierte Schuppen im Brust- und
Bauchbereich sowie unter den Achseln; an-
fangs heller, mit zunehmendemAlter werden
sie dunkel bis schwarz.
Die Diagnose
erfolgt
durch eine einfache Biopsie.
Wichtig:
Hereditäre Ichthyose ist weder an-
steckend noch heilbar, kann sich mit zuneh-
mendem Alter aber verbessern. Beim Golden
ist es ein rein ästhetisches Problem, das den
Hund nicht beeinträchtigt. (Alle Details zur
Ichthyose siehe rechts).
Häufigkeit:
Auch wenn es österreichweit
bisher kaum bekannte Fälle gibt, geht man
von einem hohen Anteil an Trägern aus. Bei
Untersuchungsreihen in der Schweiz z.B.
wurden 30% als affected (betroffen) getestet
und 50% als carrier (Träger), d.h. nur 20% der
Golden waren Ichthyose-frei. Testreihen in
Frankreich, den USA etc. kamen zu ähnlichen
Ergebnissen.
Seit 2010 ist mittels EDTA Blut oder Ba-
ckenabstrich ein Gentest möglich
(Labo-
klin). Er ist in Österreich nicht zur Zuchtzulas-
sung vorgeschrieben, in der Schweiz war er
das von 2012 bis 2014. Inzwischen ist er es
aber nicht mehr.
Grundsätzlich ist ein Gentest
etwas sehr Sinnvolles
Er sagt eindeutig, ob ein Hund betroffen, Trä-
ger oder gesund ist. Gerade wenn die Anzahl
der Träger nicht bekannt ist aber hoch ge-
schätzt wird, kann er helfen sie zu erkennen
– als Selektionskriterium für die Zucht darf er
im Fall von Ichthyose aber nicht herangezo-
gen werden!
Ein Ichthyose Gentest dient der Informa-
tion, als Selektionskriterium für die Zucht
kann er aber nicht primär herangezogen
werden –Warum?
Alle bisher durchgeführten Tests und Erhe-
bungen hatten zum Ergebnis, dass nur ca.
20% aller getesteten Golden Ichthyose-frei
sind. Man kann also davon ausgehen, dass
dieses Ergebnis repräsentativ ist, auch für alle
in der Zucht befindlichen Golden.
1.
Für die langfristige gesunde Erhaltung
einer Rasse reicht eine Zuchtpopulation
von 20% nicht aus.
2.
Würde man Ichthyose also zur Zuchtselek-
tion heranziehen, hätte man, gerade bei
den für die Rasse entscheidenden Krite-
rien, wie z.B. HD/ED/OCD, Augen, Wesen
oder Retriever-spezifische Eigenschaften
so ein eingeschränktes Zuchtpotential,
dass die Rasse zuchtgesundheitlich massiv
durch Inzucht gefährdet wäre – und das
bereits kurzfristig.
3.
Neueste Studien belegen, dass die Gen-
mutation, selbst bei homozygot (reiner-
big) veranlagten Tieren, nicht zwangsläu-
fig zu einer Erkrankung führt.
Die starke Ausbreitung fordert
langfristiges Denken
Auch wenn es menschlich ist „auf Nummer
Sicher“ zu gehen und einen schnellen Erfolg
oder eine Abkürzung zu suchen, schadet es
in diesem Fall der Rasse mehr als es nützt.
Man kann nicht nur noch Ichthyose-freie
Hunde verpaaren. Selbst der Trend, der sich
seit einigen Jahren schon abzeichnet – näm-
lich, dass die weltweit wenigen bekannten
Ichthyose-freien Zuchtrüden plötzlich nach-
gefragt werden wie nie –
ist
für Folgegene-
rationen bereits jetzt bedenklich
. Dadurch
verschwinden qualitätvolle Hunde bzw.
Deckrüden aus der Zuchtpopulation, bloß
weil sie Träger sind oder sein könnten – und
damit auch ihr Erbmaterial unwiederbring-
lich aus dem zukünftigen Genpool!
Gerade eine weite Verbreitung erfordert
Weitsicht und einen verantwortungsbe-
wussten Umgang mit den Informationen, die
man zu Verfügung hat.
Vor allem darf man
den Stellenwert der Ichthyose für die
Zucht nicht höher bewerten als die rasse-
spezifischen Selektionskriterien
. Also muss
man vernünftigerweise mit Trägern züchten;
man muss der Rasse zuliebe sogar in Kauf
nehmen, dass man zwei Träger verpaart und
damit 25% betroffene Nachkommen riskiert,
genauso aber auch 50% Träger
plus 25%
vollkommen freie Nachkommen bekommen
kann. Selbst das erhöht den Prozentsatz an
Ichthyose-freien Hunden – ohne dabei den
Genpool einzuschränken!
Jeder Gentest ist nützlich,
solange man seinen Stellenwert
für die Rasse richtig ein-
schätzen kann.
Es ist gut, dass es diesen Test gibt und jeder
Züchter, der informiert sein will, sollte ihn
unbedingt machen – bei der starken Verbrei-
tung von Ichthyose kann er aber eben nicht
als gleichwertiges Selektionskriterium mit
HD/ED/OCD, Augen, Wesen, Retriever-spe-
zifischen Eigenschaften etc. für den langfri-
stig angestrebten und gesunden Rasse-Er-
halt herangezogen werden – genau um das
zu unterstreichen, ist er bei uns auch nicht
in der Zuchtverordnung vorgeschrieben.
Andernfalls würde man ein falsches Signal
setzen und der Ichthyose einen zu hohen
Stellenwert in der Zucht einräumen – denn
eines darf man nicht vergessen:
Es sind nur
Schuppen!
Dr. Tünde Porfy
– Sie wird autosomal rezessiv vererbt (si-
ehe Vererbungs-Schema unten oder zu
HNPK im letzten Retriever).
Autosomal: Der Gendefekt befindet sich
nicht auf einem Geschlechts-Chromo-
som, ist nicht geschlechtsgebunden, d.h.
kann Hündinnen und Rüden betreffen.
Rezessiv: D.h. nur Hunde, die vom Vater
und der Mutter jeweils ein mutiertes
Gen erben, sind betroffen. Mischerbige
Golden erkranken nicht, sind aber Trä-
ger, die das mutierte PNPLA-1 Gen an
50% ihrer Nachkommen weiter geben.
– Nicht alle homozygot (reinerbig) veran-
lagten Welpen erkranken zwangsläufig,
wie eine Studie der Gesellschaft zur För-
derung kynologischer Forschung (GKF)
belegen konnte.
– Dieselbe Studie wies außerdem einen
Zusammenhang zwischen Milchschorf
und Ichthyose nach, allerdings waren
nur 1/6 der Welpen mit Milchschorf spä-
ter auch von Ichthyose betroffen. Ein
Einfluss von Haltungs- bzw. Umweltfak-
toren auf den Ausbruch der Fischschup-
penkrankheit wurde nicht festgestellt.
– Sie zeigt sich im Normalfall bereits nach
wenigen Lebenswochen durch größe-
re, unterschiedlich stark pigmentierte
Hautschuppen, hauptsächlich im Brust-
bereich. Auch die Haut kann im betrof-
fenen Bereich stärker pigmentiert sein.
– Sie ist nicht ansteckend, kann unter-
schiedlich stark ausgeprägt sein und,
falls nötig, durch geeignete Pflegemaß-
nahmen verbessert werden.
– Sie ist nicht heilbar, in manchen Fällen
nimmt die Schuppenbildung aber mit
zunehmendem Alter ab.
– Während andere Ichthyosen mit schwe-
ren Hautentzündungen einhergehen
können und im schlimmsten Falle le-
bensbedrohlich verlaufen, ist die Fisch-
schuppenkrankheit beim Golden eher
harmlos, da die Hautveränderungen
nur oberflächlich sind. Sie ist also meist
ein rein ästhetisches Problem, das den
Hund nicht beeinträchtigt. Nur ganz sel-
ten wurden Juckreiz bzw. eine gering-
fügig höhere Anfälligkeit für bakterielle
oder Hefepilzinfektionen beobachtet.
Daten zur genetisch bedingten
Ichthyose beim Golden Retriever:
Umfangreiche Leistungen für Züchter:
Von Deckzeitbestimmung bis Geburtshilfe
Unser Mini-Vidas-Testgerät:
Zur quantitativen (zahlenmäßigen)
Progesteronwert-Bestimmung
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Progesteronwert-Bestimmung
PNPLA-1
getestete Eltern
Frei
(clear)
Träger
(carrier)
Betroffen
(affected)
Frei
(clear)
Nachkommen:
100 %„Frei“
Nachkommen:
50 %„Frei“
50%„Träger“
Nachkommen:
100%„Träger“
Träger
(carrier)
Nachkommen:
50 %„Frei“
50%„Träger“
Nachkommen:
25 %„Frei“
50 %„Träger“
25%„Betroffen“
Nachkommen:
50%„Träger“
50%„Betroffen“
Betroffen
(affected)
Nachkommen:
100 %„Träger“
Nachkommen:
50%„Träger“
50%„Betroffen“
Nachkommen:
100% „Betroffen“
Schuppen, aber auch die betroffenen Hautpartien können unterschiedlich stark pigmmentiert sein
Ichthyose tritt meist im Brust- und Bauchbereich
sowie unter den Achseln auf
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