Retriever Ausgabe 85 Dezember 2015 - page 72-73

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LG Niederösterreich
Trainingstage am Streklhof mit
Karl Müllner (A) und Stephan Steidl (D)
Zwei Trainerpersönlichkeiten – so unterschiedlich und dann doch wieder nicht
Karl Müllner – der Flüsterer
Großgewachsen, etwas hager; kommt er im-
mer ein bisschen daher, als ob er gerade tief
in Gedanken wäre; mit gesenktem Blick und
leicht nach vorn gebeugt, wie man es so oft
bei großgewachsenen Menschen beobach-
ten kann.
Sein Umgang mit den Hunden ist geprägt
von Ruhe und Respekt. Wenn er mit Hunden
kommuniziert, dann eher mit kleinen Gesten
als mit Stimme, wenn aber doch, dann leise
und in ruhigem Tonfall. Geduldig, ohne viele
Worte, immer mit Blickkontakt strahlt er eine
souveräne Ruhe aus, die sich überträgt – auf
Hund und Mensch.
In normaler Lautstärke spricht Karl mit Vier-
beinern nur, wenn ihm z.B. die Liebesbekun-
dungen von Labi-Nesthäkchen und Schoß-
hund Polly zu viel werden, wenn Kevin, sein
Halbstarker, mal die Ohren auf Durchzug hat
oder wenn Diver, der inzwischen etwas tau-
be Opa des Rudels, auf Abwegen ist.
Auch mit den Zweibeinern geht er ähnlich
um: Ruhig, freundlich und bestimmt, mit
leicht geneigtem Kopf, aber immer mit Blick-
kontakt. Beim Training hat er die volle Auf-
merksamkeit aller (man muss ja genau auf-
passen, sonst könnte man was überhören),
auch nach dem Training macht er nicht viele
Worte, aber wenn er etwas sagt, ist es auf
dem Punkt. Sitzt man gemütlich beim Plau-
dern, kommt noch eine Facette von Karl zum
Vorschein: Sein subtiler Humor und sein süf-
fisantes Lächeln, das sich bis zu den kleinen
Fältchen um die Augen ausbreitet.
Stephan Steidl –
der Entertainer
Er kommt jedem mit einem Grinser entge-
gen. Der Trainingsplatz, genauso wie die Ge-
sprächsrunde danach sind seine „Bühne“.
Selbstbewusstsein – ohne dabei überheblich
zu wirken – und Offenheit strahlen bei ihm
aus allen Knopflöchern. Er hat für jede Situa-
tion eine Geschichte oder Anekdote parat, ist
„piefkinesisch“ direkt – und kann auch, wenn
nötig, etwas lauter werden.
Meist energiegeladen und fröhlich, spürt man
auch bei ihm den liebe- und respektvollen
Umgang mit den Hunden; er beherrscht die
motivierenden Töne genauso wie die strenge-
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ren; situationsabhängig und davon, was der
jeweilige Hund braucht oder vertragen kann.
So locker Stephan auch ist, erwartet er beim
Training von den Zweibeinern volle Aufmerk-
samkeit, auch wenn man gerade nicht an der
Reihe ist. Nach dem Motto: Nur wer selbst
konzentriert ist, kann das auch von seinem
Hund verlangen. Außerdem kann man durch
Beobachten der anderen viel lernen und sein
eigenes Timing verbessern.„Habt ihr gesehen,
da hat er schon den Blinker gesetzt“. Er kom-
mentiert ganz genau und gibt direkt Tipps,
erklärt ausführlich, legt aber direkt und ohne
große Umschweife den Finger in die Wunde:
„Du diskutierst zu viel, zu spät“ … immer mit
demZiel unser Auge, Timing…zu verbessern.
Auch wenn beide so unterschiedliche Per-
sönlichkeiten haben und vollkommen an-
ders auf uns Menschen wirken – auf die
Vierbeiner haben sie ein und dieselbe Wir-
kung: Souverän, sicher und„No-Shit“!
– Beide können Hunde – und ihre Halter – le-
sen und sind hervorragende Trainer.
– Beide bauen das Training so auf, dass der
Hund nichts falsch machen kann.
– Beide erwarten, dass wir bereit sind an uns
zu arbeiten, wenn es nicht so funktioniert,
wie erhofft.
– Beide erklären und arbeiten so lange und
individuell mit dem Hund und seinem Füh-
rer bis der Mensch es verstanden hat.
– Beide sind der Meinung, dass das Timing
beim Hundeführer und präzises Arbeiten
beim Hund wichtig sind … dass weniger
Hilfen und Kommandos oft mehr sind …
dass ein Hund durch Freude lernt, nicht
durch Druck …
Wir Zweibeiner suchen den Trainer aus
und
das macht auch Sinn, weil wir im Grunde die-
jenigen sind, die trainiert werden.
Am Streklhof konnten wir bei der Trainer-
wahl nichts falschmachen. Training ist kein
Dogma und viele Wege führen nach Rom.
Wir mussten uns nur entscheiden, ob wir´s auf
unserem „Trainings-Weg“ mehr oder weniger
ruhig haben möchten; welche Art uns besser
entspricht, was wir glauben besser umsetzen
zu können. Unseren Hunden ist bei unserer
Trainerwahl immer nur eines wichtig – dass er
gut ist!
Christine Boyke
Foto: JürgenKutrowatz
Klare Worte bei der Abschlussbesprechung nach dem Training
Karls eigene Vierbeiner kamen nie zu kurz
Typisch Karl
Foto:SusannePrager
Foto:SusannePrager
Foto:VerenaArminger
Foto:SusannePrager
Ganz direkt mit den Zweibeinern
Ruhiger Umgang mit den Vierbeinern
Foto:JürgenKutrowatz
Viel Geduld und liebevoller Umgang mit den Vierbeinern
Fotos:VerenaArminger
Foto: JürgenKutrowatz
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