Retriever Ausgabe 85 Dezember 2015 - page 76-77

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Dezember 2015
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LG Oberösterreich
LG Oberösterreich
Aus der Sicht eines Anfängers
Ruby und ich begannen im Juni 2014 in
der Trainingsgruppe Pelmberg mit der
Dummy Arbeit.
Im Juli 2014 hörte ich erstmals "Karlstift" .
Zuerst dachte ich an einen Hundeausflug, als
dann aber von "Karlstift" immer ehrfürchti-
ger und dann hektischer gesprochen wurde,
fragte ich nach:
WORKINGTEST – Aha, dachte ich.
Heuer im Sommer erkundigte ich mich ganz
vorsichtig bei Barbara, ob wir schon fähig wä-
ren, am Working Test teil zunehmen. Sie
meinte, naja, in der E wird`s schon gehen.
Rasch angemeldet.
Eine Woche vor dem Wettbewerb besichtig-
ten wir das Prüfungsgebiet, besser gesagt
das Revier. Man nimmt solche Sachen ernst,
Profis machen das auch so.
Wir überprüften die Hauptwindrichtung, un-
tersuchten das Gelände und den Bodenbe-
wuchs, forschten nach Bunkern und Gewäs-
sern und grübelten wo denn die Stationen
sein könnten. Es kann leicht sein, dass ich et-
was verwechselte.
Nun, ich fand die Gegend bezaubernd, tota-
le Stille, prachtvolle Wiesen, in der Mitte ein
riesiger Teich, alles umgeben von einem
wunderschönen Hochwald.
Und das muss ich besonders erwähnen: Ein
super "Suchenlokal".
Als Profi reist man frühzeitig an, am Freitag,
dem Tag des "Dummy Trials" fuhren wir los.
Nicht bei der Novice, nein, beim OpenTrial
wollten wir zuschauen. Man will ja was lernen.
Am Parkplatz angekommen, ungefähr 200m
vom Prüfungsgelände entfernt, war ein Höl-
lenlärm. Ruby und ich waren uns einig, hier
wird mit schweren Festungsgeschützen ge-
schossen. Wir waren bisher nur die Knallerb-
sen und die Mäusepiepser aus Margits und
Barbaras Kinderpistole gewöhnt.
Ruby wollte nicht aus dem Auto, ich war ob
des Lärms auch unsicher. Irgendwie schaff-
ten wir es zum Suchenlokal.
Dort genehmigte ich mir ein Beruhigungs-
bier. Ruby wollte weder trinken noch fressen.
Sie wurde bei jedem Schuss, und das waren
viele, kleiner und kleiner. Sie zerrte im Rhyth-
mus der Schüsse wie wild geworden an der
Leine, ich verschüttete mein Bier. Ruby wollte
weg, nichts wie weg.
Am Rückweg zum Auto sah ich Charlotte am
Teich und bat sie, meinen Angsthasen, aber
Wasserratzen, doch schwimmen zu lassen.
Ruby stürzte sich ins Wasser und tollte wie
verrückt herum, als ob sie den Lärmstress
vergessen wollte. Schön langsam überhörte
Ruby, die noch immer anhaltenden, Flinten-
schüsse. Wir gingen trotz Rubys Beruhigung
nicht mehr ins Prüfungsrevier.
Ich sagte zu ihr, dass wir nicht zuschauen
dürfen, viel zu gefährlich.
29.8.2015, 8:30 Uhr Working Test "Begin-
ner Class".
Wir waren schon lange vor 7 Uhr da. Anfän-
ger und Ehrgeizige kommen nicht zu spät.
8 Uhr: Startnummern und Einteilung.
Abmarsch zu den Stationen um 8:30 Uhr.
Dummy Trial &Working Test Karlstift
28.8. bis 30.8.2015
Ich nervös, Ruby ruhig, sie hat den Freitag
völlig vergessen, ihr war alles wurscht.
Wir absolvierten alle vier Stationen mit mehr
oder weniger gutem Gefühl.
Ruby bestand und ich war als Klotz am Bein
dabei.
Alle vier Richter lobten Ruby, mich
erwähnten sie nicht einmal.
Naja, mit so-
was muss man leben. Ich war der Punkteklau.
Bei einer Station stolperte ich, das Fuß gehen
war dann natürlich sehr, sehr mau, ein ander-
mal war ich beim Dummy abnehmen ziem-
lich langsam. Aber sonst waren wir fast ent-
spannt.
Der anschließende Besuch des Suchenlokal-
Restaurants brachte die Lockerheit endgültig
zurück.
Trotz der Weisheit "viele Köche verderben
den Brei", arbeiteten mindestens fünf Köchin-
nen und ein Koch, alle von der Trainingsgrup-
pe Pelmberg, in einer Art Feldküche und zau-
berten fünf oder sechs verschiedene köstli-
che Hauptspeisen, mehrere Salate und herr-
liche Nachspeisen herbei. Brei gab es keinen.
Getränke gab es, vom Nullerschnaps bis hin
zum Prädikatswein, Bier und Kracherl sowie-
so. Champagner für die Sieger.
Es ist mir ein besonderes Anliegen die
Richter und die Stewards hervorzuheben.
Deren Erfahrung, deren Haltung und Ruhe
halfen, wahrscheinlich nicht nur mir, beson-
nen an die Aufgaben heran zu gehen.
Eine Anmerkung gilt aus meiner Sicht der se-
riösen Kleidung der Richter: Lange Hose,
Hemd und Jacke, einer hatte sogar eine Kra-
watte – und das bei fast 30 Grad imWald.
Ich fühlte mich etwas underdressed, mit kur-
zer Hose und T Shirt.
Am Samstag um 12:30 Uhr begann der
Klasse L Bewerb.
Es starteten 50 Teams und ich nutzte die Ge-
legenheit, die einzelnen Prüfungsaufgaben
zu beobachten.
Die Aufgaben waren schon sehr anspruchs-
voller als die in der E Klasse.
Es gab auch hier einige enttäuschte Gesich-
ter, bei den Hundeführern, weniger bei den
Hunden, wenn die Richter bzw. Stewards ver-
suchten ihnen klar zumachen, warum ein
Nuller gegeben werden musste.
Andere strahlten bis zu den Ohren und darü-
ber hinaus über die Tüchtigkeit der Hunde
und natürlich auch über die eigene.
Am Sonntag nutzte ich den Vormittag um die
Klasse M, mit offenen Mund staunend, zu be-
obachten.
Imponierend war die Phantasie der Rich-
ter bei der Gestaltung der Prüfungsaufga-
ben.
Das Gelände war ja gleich wie bei den
beiden ersten Bewerben. Ebenso imponie-
rend waren die Leistungen der Teilnehmer.
Ich verglich unseren Ausbildungsstand mit
dem der M Klassler. Wahrlich es liegt noch
viel Arbeit und Geduld vor uns, wenn über-
haupt, solche Fähigkeiten zu erreichen.
Die S Klasse schenkte ich mir, um einer De-
pression zu entgehen.
Die Siegerehrung war für alle Sieger, alle Plat-
zierten und auch für die Inhaber einer Null
sehr stimmungsvoll. Der anschließende
Kampf gegen die Dehydrierung soll angeb-
lich sehr lange gedauert haben.
Bewundernswert war die Organisation dieser
Veranstaltung. Es waren doch vier Richter,
mindestens vier Stewards und mindestens 15
Helfer einzuteilen und an die richtigen Plätze
zu bringen, an jeder Station war die entspre-
chende Anzahl von Dummys bereit zu halten
und natürlich waren die ungefähr 100 Teams
an die richtigen Stationen zu lotsen.
Nicht verschweigen will ich, dass das Dummy
Trial und der Working Test Karlstift 2015 fast
ein Familientreffen der Golden Mountain
Springs Sippe (Acht Hunde) war.
Schon am ersten Tag stieg Shannon mit Ru-
bys Bruder Gryffindor aus dem Auto neben
uns. Die Hunde nahmen allerdings nicht viel
Notiz von einander, wahrscheinlich wegen
der Festungsgeschütze.
Weiters waren Rubys Vater „Think Twice
Amarcord“ und Tante „Think Twice Absolute
Beginners“ in den Bewerben.
Ich hatte damit mehr Freude als Ruby, ihr war
die liebe Verwandtschaft ziemlich egal.
Karlstift 2015 war eine bestens gelungene
Veranstaltung, die bei mir Lust auf mehr
gemacht hat.
Harald Gerbel
Percy stürzt sich in die nächste Aufgabe
Erwin in seinem Element
AlleFotos:PeterWeissböck
Michi Gschladt und Jutta Andre
1...,56-57,58-59,60-61,62-63,64-65,66-67,68-69,70-71,72-73,74-75 78-79,80-81,82-83,84-85,86-87,88-89,90-91,92
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